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    Um die Seele des Snowboardens zu bewahren, müssen wir die Natur schützen

    Taro Tamai
    Taro Tamai

    Snowboard-Pionier und Gentemstick-Gründer Taro Tamai spricht über seine Beziehung zum Snowboarden und erzählt, was er von seinem Leben in den Bergen gelernt hat.

    Wenn ich über meine Beziehung zu den Bergen und zum Snowboarden nachdenke, hat sich seit meiner Kindheit eigentlich nichts daran geändert. Als ich jünger war, habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht, aber je älter ich wurde, desto mehr wurde mir das bewusst. Durch meine Solotouren, die ich schon seit meiner Grundschulzeit mache, habe ich erkannt, wie wichtig es für mich ist, Zeit allein in der Natur zu verbringen. Wenn ich mir heute die Bergwelt Japans ansehe, kann ich nicht genau sagen, wie sich der Klimawandel auf die Landschaft und den Schnee auswirkt. Aber ich kann definitiv sagen, dass sich etwas verändert – und dass diese Veränderungen immer schneller und gravierender werden. Das spüre ich. Die Hänge sind immer schwieriger zu befahren.

    Ich bin kein Aktivist. Ich spüre die Veränderungen in den Bergen schon lange und tue einfach, was ich in meiner Lage tun kann. Das sind kleine Dinge, wie beispielsweise meinen Müll wieder mitnehmen oder den Schmerz fühlen, wenn ein wunderbarer Naturraum verloren geht. Ich kann keinen Krieg beenden und ich kann nicht ohne Auto leben. Aber ich habe durch diese Lebensweise etwas erkannt. Man kann wissenschaftlich nichts beweisen, indem man etwas nur sieht, riecht oder auf der Haut spürt. Um etwas wissenschaftlich beweisen zu können, muss man es zuerst spüren.

    Manche Menschen spüren vielleicht gar nichts. Manche Menschen glauben es vielleicht nicht. Selbst wenn es Menschen gibt, die der Meinung sind, dass Erosionsschutzdämme, die Experten mit ihrem Fachwissen zum Schutz der Bevölkerung bauen, nicht nur nutzlos sind, sondern die Gefahr sogar verstärken und unerwartete Schäden verursachen, wird es lange dauern und viel Mühe kosten, das zu beweisen. Allein das zu sagen, mag unverantwortlich klingen, aber ich denke, dass wir die Dinge immer unvoreingenommen betrachten sollten, ohne emotional zu werden und immer mit gesundem Menschenverstand. Entscheidend ist meiner Ansicht nach, dass wir weiter beobachten und auf das aufmerksam machen, was wir spüren.

    Bis vor 15 Jahren brauchten wir in meiner Heimatstadt Niseko keine Klimaanlagen. Auch im Auto nicht. Selbst an heißen Tagen reichte es, das Auto im Schatten eines Baumes zu parken oder mit offenen Fenstern zu fahren. Aber in den letzten fünf Jahren sind Klimaanlagen unverzichtbar geworden. Die Hitze, die wir früher an zwei oder drei Tagen im Jahr aushalten mussten, haben wir jetzt zwei Monate lang. Ich weiß nicht, ob das nur am Klimawandel liegt, aber es ist eine Tatsache.

    Für Snowboarder wie mich bedeutet Naturschutz, ein Gespür für die Natur zu entwickeln und den Fakten eine Stimme zu geben. Snowboarder sind mehr im Schnee unterwegs als Lawinenforscher. Bergsportler spüren die Veränderungen, die im Flachland nicht sichtbar sind, stärker als sonst jemand. Als Mitglied von Protect Our Winters Japan ist es meine Aufgabe, über Fakten aufzuklären und die Einschätzungen von Experten verständlich zu kommunizieren. Wir Athleten berichten dort ehrlich, was wir von diesen Fakten halten und wie sie sich auf das menschliche Leben und natürlich auf die Natur auswirken.

    Mein Ziel ist eine Welt, in der die Snowboarder im Mittelpunkt der Snowboardkultur stehen.“

    Japan ist mit seinen Schneemengen eine echte Seltenheit. Trotz der südlichen Lage erreichen uns im Winter trockene, kalte und kräftige Windmassen vom Kontinent. Über dem Japanischen Meer bildet die aufsteigende warme, feuchte Luft Wolken, die von Westen auf Japan und die Niseko-Bergkette treffen. Niseko wurde durch seinen perfekten Pulverschnee berühmt, aber im Gegensatz zu anderen Skigebieten hat man sich hier eine einzigartige Kultur bewahren können. Inzwischen hat sich der „Powder“ jedoch zu einem Boomgeschäft entwickelt, einem regelrechten Rausch, vergleichbar mit einem Goldrausch. Die meisten Besucher wissen gar nicht, was an Niseko so besonders ist. Das Image vom Pulverschnee-Paradies hat seinen Charme erstickt. Die lokale Community ist durch die große Anzahl an Besuchern zur Minderheit geworden und die ursprüngliche Kultur geht nach und nach verloren.

    Bei Gentemstick möchten wir die Kultur des Snowboarderns durch unsere Philosophie „von Snowboardern für Snowboarder“ wieder aufleben lassen. Denn das ist die eigentliche Seele des Snowboardens. Mein Ziel ist eine Welt, in der die Snowboarder im Mittelpunkt der Snowboardkultur stehen. Und ich möchte, dass die Menschen verstehen, warum das wichtig ist. Die Seele des Snowboardens soll wieder zurück in die Hände der Snowboarder gelegt werden.

    Deshalb haben meine Freunde und ich mit dem Snowsurfen eine Bewegung ins Leben gerufen, die den ursprünglichen Geist des Snowboardens wiederaufleben lässt. Das Bild, das wir heute vom Snowboarden haben, wurde von den Medien und der Industrie geschaffen. Ursprünglich sagte man zum Snowboarden „Snowsurfen“, denn der gedankliche Ursprung des Sports liegt im Surfen auf Schnee. Mit dem weltweiten Snowboardboom in den 1990er Jahren verlor das Snowboarden durch die Kommerzialisierung seinen ursprünglichen Charakter. Das Geschäft verdrängte die kulturelle Weiterentwicklung. Beim Snowsurfen geht es im Kern um das Grundprinzip des Snowboardens, das letztlich eine Abfolge von Turns ist. Wenn man diesen Gedanken im Kopf behält, wird man sehen, wie er die eigene Beziehung zum Snowboarden bereichert.

    Erfahre mehr über die Geschichte von Taro in der neuesten Folge unserer Breaking Trails Serie.

    Taro Tamai Taro Tamai

    Taro Tamai

    Taro gilt als Idol des japanischen Snowboardens und ist einer der größten Anhänger des „Snowsurfing“. Er sieht darin „eine Philosophie, einen Lebensstil, eine Art, die Verbundenheit mit dem Berg zu spüren“. Sein Unternehmen Gentemstick, was so viel bedeutet wie „Natürlicher Weg“, hat sich auf die Herstellung von Snowboards spezialisiert, die es den Ridern ermöglichen, ihr Bergerlebnis maximal zu genießen.

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